Artificial intelligence literacy at school: A systematic review with a focus on psychological foundations
Elsevier
Abstract
Die systematische Übersichtsstudie analysiert bestehende Modelle und Konzeptionen von KI-Kompetenz («AI Literacy») im schulischen Kontext. Im Zentrum steht eine Lücke, die die Autorinnen in der Literatur identifizieren: Kompetenzrahmen für KI-Literacy an Schulen decken häufig technische Fähigkeiten und ethische Reflexion ab, verankern diese Dimensionen aber kaum in empirisch gesicherten psychologischen Lerntheorien. Das Review systematisiert bestehende Ansätze aus Informatikdidaktik und Medienpädagogik und setzt diese in Beziehung zu kognitionspsychologischen und sozio-konstruktivistischen Grundlagen (Piaget, Vygotsky, konstruktivistische Unterrichtsforschung). Auf dieser Basis werden Kernkomponenten von KI-Literacy identifiziert — konzeptuelles Verständnis, Anwendungskompetenz, kritisch-ethische Reflexion, psychologische Adaptionsfähigkeit gegenüber KI-induzierten Verhaltens- und Wahrnehmungsveränderungen — und zu einem integrierten Modell zusammengeführt. Publiziert Januar 2026 in der Zeitschrift Computers and Education: Artificial Intelligence (Elsevier).
Einordnung
Das Review bearbeitet eine methodische Lücke, die im KI-Kompetenz-Diskurs bislang auffällig war: Fast alle etablierten KI-Literacy-Frameworks (UNESCO, EU, nationale Curricula) beschreiben, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler haben sollen — aber nicht, auf welcher lernpsychologischen Grundlage diese Kompetenzen aufgebaut werden können und sollen. Diese Studie bringt die Psychologie zurück ins Gespräch, was für die Curriculumentwicklung und Lehrerbildung relevanter ist als weitere normative Kompetenzlisten.
Die Autorinnen verorten sich in der «Learning Sciences»-Tradition und verbinden diese mit KI-Literacy-Forschung (Breazeal, Touretzky, Long/Magerko). Das unterscheidet ihre Arbeit von «Critical AI Literacy»-Ansätzen, die stärker auf politische und soziale Machtdimensionen fokussieren (Selwyn-Schule), und von technizistischen Ansätzen, die KI-Kompetenz primär als Anwendungs- oder Programmierfähigkeit verstehen. Carolus (Würzburg) hat einen ausgewiesenen psychologischen Hintergrund und bringt Medienpsychologie ein — das ist in der sonst informatikdidaktisch dominierten KI-Literacy-Forschung ein produktiver Kontrapunkt.
Leseempfehlung
Als lerntheoretische Referenz für die Weiterentwicklung von Curriculum und Fortbildungsmodulen; ergänzend zu bestehenden Kompetenz-Frameworks. Ergänzend zu dieser lernpsychologischen Einordnung wäre jedoch eine pädagogische Einordnung zu platzieren.