Paper2025EnglischPeer-reviewed

The ethics of AI or techno-solutionism?: UNESCO's policy guidance on AI in education

Yoko Mochizuki, Eric Bruillard, Audrey Bryan

Taylor & Francis

DOI: 10.1080/01425692.2025.2502808Zum Werk

Abstract

Eigene Zusammenfassung: Mochizuki, Bruillard und Bryan analysieren mit Diskursanalyse und Social Network Analysis die bildungspolitischen Positionsdokumente der UNESCO zu KI in der Bildung (AIEd). Trotz explizit ethischer Rahmung, so die zentrale These, reproduzieren die UNESCO-Dokumente eine techno-solutionistische Ideologie: KI wird als unvermeidliche und heilsame Kraft für Bildungssysteme gerahmt, gesellschaftliche und strukturelle Ursachen von Bildungsungleichheiten bleiben ausgeblendet. Die Netzwerkanalyse der in den Dokumenten zitierten Autorinnen und Autoren deckt eine starke Überrepräsentation von Personen aus dem anglo-amerikanischen Raum und mit Verbindungen zu Technologiekonzernen auf. Die UNESCO privilegiert damit institutionelle und kommerzielle Interessen und schliesst alternative — kritische, dekoloniale oder auf Gemeinwohl ausgerichtete — Bildungsvisionen strukturell aus. Die Studie konkludiert, dass UNESCO so eine globale Norm zementiert, deren Legitimationsbasis breiter und pluraler sein müsste, als sie gegenwärtig ist.

Einordnung

Dieser Aufsatz legt die Wissenssoziologie hinter den UNESCO-Dokumenten frei, die bereits in der eduai.ch-Bibliothek verzeichnet sind: «AI Competency Framework for Teachers» (2024) und «AI and the Future of Education» (2025). Er ist damit kein Beitrag zu einer abstrakten Debatte, sondern ein methodisch gestützter Befund über spezifische Texte, die im DACH-Bildungsdiskurs als normative Referenzpunkte wirken. Wer diese Dokumente in Strategiepapieren, PH-Modulen oder Lehrplänen zitiert, sollte die Produktionsbedingungen dieser Texte kennen — das ist kein Aufruf zur Ablehnung, sondern zur intellektuellen Sorgfalt.

Methodisch ist die Kombination aus kritischer Diskursanalyse (Foucault'sche Macht-Wissen-Analyse) und Social Network Analysis besonders stark: Sie zeigt nicht nur, was in den Texten gesagt wird, sondern auch, wessen Stimmen die Wissensgrundlage bilden — und wessen nicht.

Leseempfehlung

Für Forschende und Doktorierende, die mit UNESCO-Dokumenten zu KI in der Bildung arbeiten, sowie für Bildungspolitiker:innen, die internationale Empfehlungen kritisch rezipieren wollen. Für PH-Dozierende, die eigene KI-Kompetenzrahmen entwickeln und dabei auf UNESCO-Vorlagen zurückgreifen, als kritisches Korrektiv besonders wertvoll. Für Lehrpersonen ohne forschungsmethodologischen Hintergrund eher indirekt relevant — der Text ist akademisch und setzt Vertrautheit mit Diskurstheorie und Governance-Forschung voraus.

Zielgruppe:ForschungHochschuleBildungspolitik
Perspektive:KritischTheoretisch
Themen:#ki-governance#ki-kritik#diskursanalyse#bildungspolitik#unesco#soft-governance

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Aufgenommen: 15. Mai 2026

Online First publiziert 21.05.2025 (Vol/Issue noch ausstehend). OA-Status: Tandfonline-Subscription; HAL-Preprint (hal-05083559) konnte automatisiert nicht verifiziert werden — manuelle Prüfung empfohlen.