KW 210 neue Beiträge18. Mai 2026↓ Lesen

Diese Woche

Bildungspolitik8. Mai 2026EU

EU Digital Omnibus: Hochrisiko-KI in der Bildung erhält 16 Monate Aufschub — Transparenzpflichten bleiben

Europaparlament und EU-Rat haben am 7. Mai 2026 eine provisorische Einigung zum «Digital Omnibus on AI» erzielt. Die wichtigste Änderung für Schulen und EdTech: Die Hochrisiko-KI-Pflichten nach Anhang III — der Bildung und Berufsbildung explizit einschliesst — werden um 16 Monate verschoben, von August 2026 auf den 2. Dezember 2027. Gleichzeitig gelten ab Dezember 2026 neue Transparenz- und Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte, die Schulen bereits jetzt bei der Werkzeugwahl berücksichtigen müssen.

Gemälde: Lehrling und Mentor im Schweizer Bergpanorama mit digitalem Tablet — Symbolbild zum Bundesratsbericht Berufsbildungsattraktivität
Bild: SBFI – Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation
Bildungspolitik6. Mai 2026CH

Bundesrat genehmigt Bericht zur Berufsbildungsattraktivität — KI und Digitalisierung als strategische Stossrichtung

Der Bundesrat hat am 6. Mai 2026 den Bericht «Attraktivität der Berufsbildung wird weiter gestärkt» verabschiedet. Unter den gemeinsam mit Kantonen und Arbeitgebenden festgelegten strategischen Stossrichtungen steht explizit der «Einbezug von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz». Der Bericht fliesst in die «Roadmap Attraktivität der Berufsbildung» ein, die Anfang 2026 lanciert wurde und Teil der Initiative «Berufsbildung 2030» ist. Weitere Prioritäten: Stärkung des Lehrstellenangebots, Weiterentwicklung der Berufsmaturität, Optimierung der Berufsberatung und Verbesserung der Durchlässigkeit.

SBFI – Staatssekretariat für Bildung, Forschung und InnovationZum Originalartikel
BIBB-Datenreport 2026: Schwerpunkt «KI in der Berufsbildung» — von der Berufsorientierung bis zur Erwerbstätigkeit
Bild: BIBB – Bundesinstitut für Berufsbildung
Forschung6. Mai 2026EU

BIBB-Datenreport 2026: Schwerpunkt «KI in der Berufsbildung» — von der Berufsorientierung bis zur Erwerbstätigkeit

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat am 6. Mai 2026 die Vorversion seines Datenreports zum Berufsbildungsbericht 2026 veröffentlicht. Das Schwerpunktkapitel widmet sich erstmals vollständig «Künstlicher Intelligenz in der Berufsbildung»: Es begleitet einen typischen Berufsbildungsweg von der Berufsorientierung über die Ausbildung bis zur KI-Nutzung in der Erwerbstätigkeit und Weiterbildung — und unterscheidet zwischen der langfristigen Durchdringung der Arbeitswelt durch KI-Technologien und der aktuellen, durch generative Systeme geprägten Umbruchphase. Flankierend dokumentiert der Bericht eine Krise am deutschen Ausbildungsmarkt: 476'000 neue Ausbildungsverträge (−2,1 %), aber 39'900 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber — Rekordstand seit 2007.

BIBB – Bundesinstitut für BerufsbildungZum Originalartikel
Gemälde: Gerahmte zurückgezogene Studie in gedämpfter Bibliotheksatmosphäre mit verblassenden Zitaten — Symbolbild zur Retraction der ChatGPT-Meta-Analyse
Bild: Telepolis / Springer Nature Retraction Notice
Kritik & Risiken4. Mai 2026Welt

Springer Nature zieht hochzitierte ChatGPT-Lernstudie zurück — 266 Zitationen, 486'000 Aufrufe, jetzt entwertet

Springer Nature hat die viel beachtete Meta-Analyse «The effect of ChatGPT on students' learning performance, learning perception, and higher-order thinking» von Jin Wang und Wenxiang Fan (Hangzhou Normal University, Jing Hengyi School of Education) am 22. April 2026 zurückgezogen — Anfang Mai berichteten Telepolis, 404 Media und der EdTech Innovation Hub. Die im Mai 2025 in «Humanities and Social Sciences Communications» publizierte Arbeit hatte aus 51 Studien einen «grossen positiven Effekt» (g = 0.867) von ChatGPT auf Lernleistungen sowie moderate Effekte auf Lernwahrnehmung und höheres Denken abgeleitet. Mit rund 486'000 Aufrufen, 266 Zitationen in begutachteten Springer-Nature-Journalen und einem Altmetric-Score von über 1'000 zählte sie zu den meistgenutzten Belegen für KI-Vorteile im Bildungsbereich. Der Verlag begründet den Rückzug mit «Diskrepanzen in der Meta-Analyse», die das Vertrauen in Validität und Schlussfolgerungen untergraben; die Autoren reagierten nicht auf Korrespondenz. Der Edinburgher Bildungsforscher Ben Williamson kritisierte, die Studie habe «teilweise qualitativ sehr schwache» Einzelstudien aggregiert.

Telepolis / Springer Nature Retraction NoticeZum Originalartikel
Newsletter

Das Wichtigste zu KI & Bildung per Mail — einmal pro Woche.

Abonnieren →
Gemälde: Lehrperson löst sich in digitale Pixel auf, leere Schulbänke im Sonnenlicht — Symbolbild zum Artikel «Das Verschwinden der Lehrer»
Bild: Starke Schule beider Basel
Debatte3. Mai 2026CH

Starke Schule beider Basel: «Das Verschwinden der Lehrer» — KI als vierter Akt einer jahrzehntelangen Marginalisierung

Im Beitrag «Das Verschwinden der Lehrer — ein Stück in vier Akten» (3. Mai 2026) analysiert Christine Staehelin von der Bildungsinitiative Starke Schule beider Basel die schrittweise Entkernung der Lehrerrolle in der Volksschule. Akt 1: Pädagogische Reformen verschieben Lehrpersonen vom Vermittler zur Lernbegleitung. Akt 2: Die Digitalisierung verspricht adaptives, individuelles Lernen — und reduziert die Tätigkeit der Lehrperson auf IT-Problemlösung, Bildschirmüberwachung und Auswertungen-Lesen. Akt 3: Ein Schulverständnis, das die zentrale Rolle der Lehrperson durch selbstgesteuertes Lernen ersetzt. Akt 4 — die KI: Chatbots übernehmen Aufgabenformulierung, Feedback und Korrekturen. Die Autorin warnt: Wo die Lehrperson verschwindet, verliert die Schule ihr Zentrum — Bildung brauche «Personen, die für die Sache einstehen, Verantwortung übernehmen und Orientierung geben».

Starke Schule beider BaselZum Originalartikel
Der Adecco-Chef über künstliche Intelligenz
Bild: Blick / Adecco
Kritik & Risiken3. Mai 2026CH

Adecco-CEO Machuel: «95 Prozent der KI-Projekte scheitern» — nicht an Technik, sondern an Organisationen

Im Blick-Interview vom 3. Mai 2026 warnt Adecco-CEO Denis Machuel vor überzogenen KI-Erwartungen: 95 Prozent der KI-Projekte scheitern — nicht weil die Technologie mangelhaft ist, sondern weil KI in Organisationen eingesetzt wird, die nicht darauf vorbereitet sind, und in Prozessen, die nicht sauber definiert sind. Machuel betont gleichzeitig, dass jede technologische Revolution bisher mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet hat, mahnt aber zur realistischen Einschätzung: Ohne organisatorische Vorbereitung und Qualifizierung bleibt KI wirkungslos.

SWI swissinfo: KI wird Probleme lösen — oder die Schweiz ins Elend stürzen
Bild: SWI swissinfo.ch
Debatte1. Mai 2026CH

SWI swissinfo: KI wird Probleme lösen — oder die Schweiz ins Elend stürzen

SWI swissinfo.ch analysiert in einer umfassenden Reportage vom 1. Mai 2026 die wirtschaftlichen Risiken der KI-Revolution für die Schweiz. KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm identifiziert vier zentrale Risiken: Überalterung, Klimawandel, Deglobalisierung und KI — wobei KI als einziger Punkt auch Chancen bietet. Wird die hochbezahlte Kopfarbeit entwertet, wackelt das Fundament der Schweizer Volkswirtschaft — inklusive Millionenvermögen und Hypothekenberge. Die Reportage skizziert Positiv- und Negativszenarien und fragt, ob die Schweiz ihren Wohlstand halten kann, wenn KI den Arbeitsmarkt grossflächig verändert.

SWI swissinfo.chZum Originalartikel
Gemälde: Schulkorridor mit KI-Interfaces auf Screens in offenen Klassenzimmern, eine Lehrperson geht gelassen entlang — Symbolbild zum GEW-Bericht
Bild: GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Praxis1. Mai 2026

GEW: KI erobert die Schulen — fast alle deutschen Bundesländer stellen generative KI fürs Klassenzimmer bereit

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) berichtet am 1. Mai 2026: Im laufenden Schuljahr werden fast alle deutschen Bundesländer generative KI-Werkzeuge offiziell für den Unterricht bereitstellen. Bisher nutzten Schüler:innen und Lehrkräfte ChatGPT, Gemini oder Claude oft inoffiziell — mit erheblichen Datenschutz-Risiken. Die GEW fordert klare Rahmenbedingungen, ausreichende Fortbildung und warnt vor der Einführung ohne pädagogisches Konzept. Der Artikel bietet einen Überblick über die verschiedenen Landesapplikationen und deren Datenschutz-Architektur.

GEW – Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftZum Originalartikel
TÜV-Weiterbildungsstudie 2026: KI-Nutzung in Unternehmen wächst deutlich schneller als die Qualifizierung
Bild: TÜV Rheinland / TÜV-Verband
Forschung30. Apr. 2026

TÜV-Weiterbildungsstudie 2026: KI-Nutzung in Unternehmen wächst deutlich schneller als die Qualifizierung

Die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026 (500 befragte Entscheider:innen) zeigt eine wachsende strukturelle Lücke: 56% der Unternehmen setzen generative KI bereits ein, aber nur 27% schulen ihre Mitarbeitenden systematisch. 75% bieten zwar Weiterbildung an, doch nur 29% haben eine schriftliche Strategie dafür. 45% der Beschäftigten lehnen KI-Nutzung am Arbeitsplatz ab. Besonders der Mittelstand hinkt bei der Qualifizierung hinterher — ein Befund mit direkter Relevanz für die Schweizer Berufsbildung und Hochschulen.

TÜV Rheinland / TÜV-VerbandZum Originalartikel
KI-Roboter als Marionette eines Menschen
Bild: ETH Zürich
Forschung30. Apr. 2026CH

ETH-Studie zum Vibe Coding: Wer mit KI erfolgreich programmiert, braucht Informatikkompetenz und Schreibfähigkeit

Sverrir Thorgeirsson, Theo Weidmann und Prof. Zhendong Su von der ETH Zürich haben in einer am 30. April 2026 publizierten Studie untersucht, welche Fähigkeiten den Erfolg beim sogenannten «Vibe Coding» — dem Programmieren mit KI-Agenten via natürlicher Sprache — erklären. 100 Zürcher Studierende mit mindestens einem Informatik-Einführungskurs lösten drei Aufgaben mit KI-Tools (Meal-Planning-App nachbauen, Universitätskurs-App erweitern, abstrakte App replizieren) und absolvierten Tests zu Schreibfähigkeit, Informatikkenntnissen und kognitiven Fähigkeiten. Den grössten Einfluss auf den Vibe-Coding-Erfolg hatten die Informatikkenntnisse, gefolgt von der Schreibfähigkeit. Auffällig: Studierende, die häufig Sprachmodelle nutzen, schnitten beim Schreiben und Vibe Coding schlechter ab. Die Studie wurde an der CHI '26 in Barcelona (13.–17. April 2026) als «Computer Science Achievement and Writing Skills Predict Vibe Coding Proficiency» publiziert.

Newsletter

Das Wichtigste der Woche per Mail — einmal pro Woche.

Schweizer SBFI-Studie «Co-Pilot für berufliche Entwicklung»: Chatbot ergänzt — Mensch bleibt unverzichtbar
Bild: transfer.vet / SBFI-Co-Pilot-Projekt
Forschung29. Apr. 2026CH

Schweizer SBFI-Studie «Co-Pilot für berufliche Entwicklung»: Chatbot ergänzt — Mensch bleibt unverzichtbar

Das vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation geförderte Forschungsprojekt «Co-Pilot für berufliche Entwicklung» publiziert auf transfer.vet zentrale Befunde aus vier iterativen Testphasen (Juli 2025 bis April 2026) mit über 220 Nutzenden und sechs Branchenverbänden (u. a. JardinSuisse, Treuhand|Suisse). Ein KI-Chatbot mit Perplexity-Search-Architektur bietet einen niederschwelligen Erst-Einstieg in das komplexe Schweizer Weiterbildungsangebot — doch über ein Drittel der Nutzenden bevorzugt für inhaltliche Fragen wie Zulassungsvoraussetzungen, Anrechnung und Finanzierung den menschlichen Beratenden. Triagekriterien leiten komplexe Fälle nach drei Interaktionen automatisch an die persönliche Beratung weiter. Damit der Bot Mehrwert gegenüber generischen Sprachmodellen liefert, müssen Branchenwissen, anerkannte Anbieter und Berufsregulierungen ihn informieren.

transfer.vet / SBFI-Co-Pilot-ProjektZum Originalartikel
Der Verein

Denkwerkstatt für KI in der Bildung. Unabhängig, wissenschaftsbasiert — Theorie für die Praxis.

Newsletter

1× pro Woche. Das Wichtigste, kurz kommentiert.

3 bis 5 wichtige Entwicklungen pro Ausgabe — wissenschaftsbasiert eingeordnet.

Kein Tracking · nDSG-konform · Jederzeit abbestellbar